Gläserne Schüler - mehr Daten mehr Lernerfolg?! | 93
Shownotes
Stell dir vor, Schulen wüssten ganz genau, wie Kinder lernen, wo ihre Schwierigkeiten liegen und was sie brauchen – gespeichert in umfassenden Datenprofilen. Genau darüber wird aktuell in Alberta, Kanada diskutiert. Auch deutsche Politiker:innen schauen aufmerksam dorthin. Gleichzeitig sorgt das Thema bei der Landeselternschaft Thüringen für große Kritik und viele offene Fragen. Bringt mehr Datensammlung wirklich besseren Lernerfolg? Oder entstehen dadurch neue Risiken für Kinder und Jugendliche? Über das Für und Wider sprechen wir in dieser Episode. Link zur Masterclass Förderdiagnostik: https://lern-ort.de/masterclass-foerderdiagnostik
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Transkript anzeigen
00:00:10: Stell dir mal vor, alle wissen immer alles über einen Schüler.
00:00:14: Über seine Leistungen und das führt dazu dass dieses Kind ganz viel Hilfe kriegt und letztendlich in der Schule besser abschneidet.
00:00:26: Das ist ein Traum vielleicht für viele Es kann aber auch zum Albtraum werden.
00:00:33: Diese Folge heißt etwas provokant der gläserne Schüler oder Schülerinnen.
00:00:38: Und ich möchte euch mitnehmen in die Provinz Alberta, in Kanada wo genau diese Daten erhoben werden und wo unsere Politiker gerade ganz doll hinschielen weil sie das auch möchten für und wieder und was sich bei uns ändern muss damit diese Daten überhaupt einen Sinn machen würden.
00:01:09: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Legartalk, deinem Podcast rund um Legastheniot des Kalkulis.
00:01:16: Mein Name ist Petra Rodenberg und ich bin Integrative Lerntherapeutin und in der Ausbildung von Legas theniot des kalkulitrainern tätig.
00:01:24: Gut!
00:01:25: Ich habe es schon gesagt Es geht um gläserne Schüler, es geht um Daten.
00:01:30: uns geht auch um einen Aufschrei der Landeselternschaft in Thüringen.
00:01:34: aber mal von Anfang an Warum nehme ich euch mit nach Kanada?
00:01:39: Alberta, die Provinz in Kanada hat einen sehr guten Ruf.
00:01:42: Ein sehr gutes Bildungssystem und man weiß dass dort die Bildung oder die Leistungen, die Schulleistung von Kindern deutlich weniger vom Elternhaus abhängen als in Deutschland.
00:01:52: das ist zumindestens erstmal positiv.
00:01:55: Es gibt dort ganz viele verpflichtende Screenings, dort werden ganz viele Daten über die Schüler gesammelt.
00:02:02: das geht schon im Kindergarten los.
00:02:04: jeder Lehrer hat ein sogenanntes Dashboard wo er immer quasi taggenau sehen kann wo ein Kind steht.
00:02:11: Die Schulen sehen wo die Klassen stehen und die übergeordneten Stellen sehen welche in welcher Schule es hakt.
00:02:18: Entscheidend ist dabei, es geht nicht darum was läuft falsch sondern es geht darum was braucht diese Schule?
00:02:24: Diese Klasse dieser Lehrer dieses Kind finanziert mit einem großen Budget und mit der Möglichkeit Fördermaßnahmen und verschiedenste Spezialisten in Anspruch nehmen zu können.
00:02:35: Die Ergebnisse sprechen für sich an der Pilowotschule, sind deutlich weniger Kinder mit Schwierigkeiten in Klasse drei als an vergleichsbaren Schulen.
00:02:46: Das heißt grundsätzlich die Kinder haben einen größeren Lernzuwach, sie haben eine bessere Bildungskarriere.
00:02:54: das ist erstmal etwas was alle Wollen.
00:02:57: So, Deutschland möchte das jetzt nachmachen und natürlich kann man sagen, wenn sie jetzt wollen die doch mal was Gutes machen unterschreien die Eltern gleich wieder.
00:03:05: wir wollen das nicht weil dann werden unsere Kinder gläsern.
00:03:09: Ich möchte dass ein bisschen Mal der Reihe nach angehen.
00:03:11: Karin Prien hat sich schon mehrmals wohl mit Alberta beschäftigt.
00:03:15: es gibt gab mehrere Reisen.
00:03:16: Die dritte ist jetzt eben gerade zu Ende gegangen im April.
00:03:21: Natürlich macht das auch Sinn, weil im Koalitionsvertrag steht zum Beispiel datengeschützte Schulentwicklung und ein sogenanntes Bildungsverlaufsregister als gemeinsames Ziel.
00:03:31: Da schüttelt es mich schon allein in dieser deutschen Name Bildungs-Verlaufs-Register.
00:03:35: Da Schüttelts ist mich schon wieder ein bisschen... Ich kann die Reaktion der Landeselternvertretung Thüringen verstehen, die gleich vorm Gläsernenschüler warnt.
00:03:46: Während der Bildungsminister in Thüringer, Herr Tyschner gesagt hat Mensch wenn die Erkenntnisse, die wir haben und die eine Herziererin schon aus der Kita hat Wenn wir die an der Grundschultür nicht weitergeben dann ist das ja Wissensverlust auf Kosten der Kinder.
00:04:00: Beide Seiten hören sich erst mal etwas logisch an.
00:04:03: ich kann dem Minister aber bei unserem System nicht zustimmen.
00:04:08: Denn es klingt gut, aber bei uns ist es nun mal so dass die Schule eine Verteilfunktion hat.
00:04:15: am Ende der vierten Klasse sortieren wir Kinder in verschiedene Schulsysteme und da ist natürlich ganz klar die Angst wenn ich ein neuer Ja, wenn ich neue Daten habe werden die vielleicht auch gegen das Kind verwandt.
00:04:29: Wird das Kind gleich?
00:04:30: Wenn es irgendwo neu ankommt hat ist keine neue Chance nicht quasi neuer Tag oder neue Schule, neuer Anfang sondern alles wird immer gleich mit durchgereicht.
00:04:40: Ist das wirklich immer hilfreich?
00:04:42: Auch in Alberta gibt es Kritik an dieser Stelle Denn sie sagen auch sehr klar dieses Screenings sind auf etwas stressig für die Kinder und Sie machen nur Sinn.
00:04:52: so lange wirklich ausreichend Fördermaßnahmen und wirklich gezielt nicht, es gibt jetzt eine Förderstunde mehr oder es gibt sieben Zwanzigarbeitsblätter mehr sondern ein individuell gefördert wird.
00:05:03: nur dann macht das ganze Sinn.
00:05:06: Das heißt Daten erheben bringt nur etwas solange es aktive Förderung und Hilfe gibt und nicht dass es ein Kontrollsystem ist.
00:05:16: denn klar ist auch Wenn wir Tests und Daten haben, und nichts passiert ist das natürlich auch nicht hilfreich.
00:05:24: Denn es gibt bei uns kein gläserndes Kind sondern eher ein, ich sag mal, unsichtbares Kind.
00:05:28: Wir haben Pisa, wir haben Tims, wir habe Iglu Und wir wissen aus den zwanzig Jahren dass Deutschland ein Problem hat sowohl beim Lesen als auch bei den mathematischen Kenntnissen.
00:05:39: Der Fünfzehnjährigen haben im letzten Pisa so abgeschnitten dass ihre Lesekompetenz nicht ausreichend war.
00:05:47: Dreißig Prozent von ihnen haben nicht mal mehr die Grundfertigkeiten in Mathematik, das ist schön.
00:05:52: aber wir wissen nicht welche Kinder Schwierigkeiten haben weil diese Studie natürlich anonymisiert ist.
00:05:59: jetzt stellt euch mal vor es geht jemanden von Haus zu Haus und misst bei jedem den Blutdruck und wir stellen fest zwanzig Prozent der Deutschen haben Bluthochdruck aber wir wissen nicht wer.
00:06:09: also tun wir nichts gegen den Bluthochdruck sondern wir wissen nur das zwanzich Prozent getroffen sind.
00:06:14: Also das bringt natürlich auch nichts, wir brauchen etwas wo Daten wirklich dazu führen dass Hilfe beim Kind ankommt.
00:06:23: Aber bevor wir über der Sportsresen und darüber reden, Zahlen sichtbar zu machen und wer wo steht, müssen wir doch erst mal ein anderes Ziel in der Grundschule haben.
00:06:32: Das Ziel der Grundschule muss dann noch sein dass alle Kinder am Ende der Grund- schulzeit bereits so gut lesenschreiben und rechnen können das ihr Fortkommen nicht mehr gefährdet ist und dass wir nicht auswählen oder aussortieren oder vielleicht sogar noch anfangen zu beschämen.
00:06:47: Das heißt wenn wir einen Dashboard haben etwas auf Rot.
00:06:54: Rot muss heißen, hier braucht jemand Hilfe jetzt und konkret und ganz gezielt und individuell angepasst.
00:07:00: und das kostet Geld liebe Politiker.
00:07:03: da können wir nun machen was wir wollen denn echte Hilfe braucht multiprofessionelle Teams, braucht Zugang zu Lerntherapien der Schule.
00:07:10: Wir brauchen Themen wie Lesewender, wir brauchen strukturierte Förderungen.
00:07:15: Und solange wir das nicht machen und das nicht anpassen wollen brauchen wir auch Keine Daten, die einfach irgendwo stehen machen Kinder gläsern und haben überhaupt keinen Effekt in meinen Augen.
00:07:27: Das heißt wir müssen tatsächlich alle Beteiligten Schulen Wir müssen gucken welche Daten erheben.
00:07:32: wie warum erhebt wer?
00:07:34: wie schützen wir diese Daten dass sie wirklich nur im Schulkontext genutzt werden?
00:07:39: nicht das irgendjemand vielleicht Ja, der das ganze mal hekt sagt aber in klasse sieben standest du bei x y oder in Klasse drei.
00:07:46: Da warst du ja völlig am Ende.
00:07:48: Das heißt wir müssen diese Daten dann auch irgendwann rechtzeitig anonymisieren und löschen.
00:07:53: Und ich stelle mir da so vor denn wenn wir Eltern erzählen Mensch Wir haben jetzt festgestellt und dass relativ zügig im letzten Screening war das alles völlig okay.
00:08:01: Aber wir merken hier das Kind hat sich nicht so entwickelt in den letzten vier fünf Monaten wie es sich hätte entwickeln sollen.
00:08:08: da kann man natürlich nachfragen gab's vielleicht in einer privaten Situation irgendetwas, da kann man gucken.
00:08:13: Kann man unterstützen?
00:08:14: Wo kann man
00:08:15: unterstützen?".
00:08:17: Wir können auch dann natürlich im Sinne wie wir Förderdiagnostik betreiben gucken wo ist das Kind denn hängen geblieben?
00:08:22: an welcher Stufe ist es denn stehengeblieben?
00:08:24: warum hat sich nicht weiterentwickelt?
00:08:26: und dann wieder individuell in die Förderung gehen.
00:08:29: Das heißt also ganz klar wenn wir Daten erheben da muss
00:08:33: a.)
00:08:33: irgendjemand gucken dass diese Daten wirklich sicher sind und
00:08:36: b.)
00:08:37: wir müssen überlegen was wir mit diesen Daten machen wollen?
00:08:40: Wie viel Geld sind wir bereit in die Hand zu nehmen, wen können wir einbinden und wie können wir das Ganze umsetzen.
00:08:48: Dann machen Daten sicherlich Sinn!
00:08:51: Die Provinz Alberta zeigt systematisch hinschauen und handeln bringt messbare Erfolge.
00:08:56: aber nicht nur hinschaun sondern handeln.
00:08:58: Das Dashboard reicht nicht aus.
00:09:00: ohne Förderangebote ohne die richtigen Leute, ohne ein Umdenken was am Ende der Grundschulzeit passieren soll werden Daten eher zu Bedrohung.
00:09:09: Und somit ist in meinen Augen die Angst vor dem gläsernen Kind durchaus berechtigt solange die Schule nur sortiert und so lange nicht klar ist.
00:09:17: wir nehmen auch wirklich das Geld in die Hand und wir suchen auch wirklich dass heraus was hilft und was individuell die Leistung steigern kann.
00:09:27: Jedes Kind hat in meinen Augen das Recht, Lesenschreiben rechnen zu können und auch zu nutzen ohne dass es dabei in irgendeiner Form unter.
00:09:37: Druckgerät.
00:09:38: Und da sind wir natürlich auch wieder beim Thema Förderdiagnostik, das heißt Wir müssen immer auch in Schulen eigentlich herausfinden wo steht das Kind?
00:09:46: Wo kann ich es abholen und wer kann dabei unterstützen?
00:09:49: denn dass eine Lehrkraft nicht für fünfundzwanzig Kinder garantieren kann Das dürfte auch klar sein.
00:09:55: wenn du mehr zum thema förderdiagnostik und heraus finden wo ein kind eigentlich steht bei lesenschreiben und rechnen lernen als Fachkraft erfahren möchtest dann komm gerne ins webinar am sieben Mai.
00:10:08: Ich habe hier unten dann verlinkt, wie du dich anmelden kannst.
00:10:12: also ich wünsche dir viel Spaß und ich bin mal auf die Reaktionen auf diese Folge gespannt!
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